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Tagebuch 1. September 2017

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Haus-am-Markt-2017-08.1476.jpg

Wir werden eingeladen,

wir gehen zu den Gastgebern,

setzen uns zu Tisch,

essen, singen, lachen, reden miteinander.

Die Gesellschaft tut uns gut.

 

Dann gehen wir nach Hause,

umranden das Datum im Tagebuch

mit einem roten Stift,

damit wir den Festtag nicht vergessen,

erinnern uns aber auch

der schmerzlichen Zeiten,

da wir unbeachtet blieben.

 

Auch diese Tage stehen im Tagebuch.

So ist das Leben. Jeder Eintrag zählt.

Josef Butscher

Dunkelblaues verstummen 1. Oktober 2015

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Gullydeckel.-Gegenstaende.-

Blutgetränktes Laub.
Wir: Gierig nach Vernichtung,
unfähig zum Schmerz.

Die Trauerweide trauert nicht mehr;
sie wurde abgesägt und zu
Hochglanzpapier verarbeitet.

Rosen verdorren.
Ob sie ihren flüchtigen Duft wahrnehmen,
weiß niemand.

Dunkelblaues Verstummen
sickert ins Grundwasser.

Josef Butscher

Zaghaft 1. August 2014

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Pflanze-Kreta-2014.6603

Weh!

Vereitelte Jugend,

verlorene Schönheit,

zehrender Schmerz!

 

Der eingekerkerte Friede

liegt auf der Pritsche,

wartet auf Befreiung.

 

Zaghaft huscht

zerbrechlicher Lichtstrahl

über die Wand.

Josef Butscher

Wenn Zeit zur Unzeit wird 1. September 2013

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Gräser-Fels-Gran-C-5758

Die Blüten sind verwelkt,

die Stängel sticht der Frost,

den eingeschlagnen Schmerz

befällt der braune Rost.

Der Angel an der Tür

fehlt Fett; sie knarrt so hart,

die Räume ausgeraubt,

kein Lichtstrahl wagt den Start.

Die Linde abgeholzt.

Der Brunnen voller Sand.

Wenn Zeit zur Unzeit wird,

verödet Haus und Land.

Josef Butscher

Warum? 1. Juli 2012

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Die Worte festgenagelt.
Die Kleider zerrissen.
In den Gelenken hämmert Schmerz.
Der Himmel umnachtet.

Warum? Warum?

Nicht mehr der versenkten Sünden
gedenken;
stattdessen
versunkene Liebesworte
auftauchen und schwimmen lassen!

Gott, erhöre mich!

 Josef Butscher

Klosterzelle Vergangenheit 2. März 2012

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Weit entfernt
von den Dörfern und Städten,
geschützt
hinter dem Mauerwerk deines Herzens,
regt sich plötzlich Geschäftigkeit.

„Ich habe keine Zeit“, sagst du.
„Ich habe zu tun. Ich muss
die Knitterfalten
meiner Schmerzbriefe glatt bügeln.“

Bald liegen sie vor dir.
Nach Datum sortiert,
ordentlich gefaltet und aufgestapelt.
Saubere Arbeit,
harte Arbeit – 
die du genießt,
die dich erschöpft.

Wollust Schmerz bringt keine Heilung.
Lösche die Tinte auf den Papieren!
Tritt heraus
aus deiner Klosterzelle Vergangenheit!

 Josef Butscher