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Aber die Liebe … wie wir der Schonung bedürftig (H. Domin) 1. Dezember 2017

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Zwei-Voegel-2017-08.1632.jpg

Wir sind der Schonung bedürftig.

Wir alle.

 

Wie sollten wir sonst vor dem

Gesetzbuch des Gewissens

und der Unbestechlichkeit

des höchsten Richters bestehen –

wir,

die wir nichts Anderes

vorzuweisen haben

als schmutzige Hände

und entgeistete Gedanken?

 

Die Liebe und wir, wir und die Liebe

tragen uns täglich in die

Weltgeschichte des Versagens ein.

 

Niemand kann ohne Nachsicht

und Großzügigkeit leben.

 

Wir sind, wie junge Bäume,

der Schonung bedürftig.

Josef Butscher

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Auf die Sichtweise kommt’s an 1. September 2015

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Sonnenschirm-Meer-Fuerteven

Auf die Sichtweise kommt’s an
(Auszug aus einer Bundespressekonferenz)

Der Aufsichtsbeamte F., so hieß es in der Presse,
hätte die Übersicht verloren
und sei seiner Aufsichtspflicht nicht nachgekommen.
Wir sehen das anders.
Nach Durchsicht der Unterlagen,
die wir mit der gebotenen Nachsicht
und Rücksicht vorgenommen haben,
verletzte er die Aufsicht nur in gewisser Hinsicht,
aber nicht mit Absicht.
Im Klarsichthüllentext geredet:
Der Aufsichtsbeamte bleibt im Amt
und wird nicht frühzeitig
zum Empfang des lebenslänglichen
Bundesbeamtenrechtsstaatruhegehaltes verdammt.
Das ist die derzeitige Sicht
unserer unübersehbaren Ansicht,
die wir zweifellos der Vorsicht und Umsicht
aller demokratischen Kräfte zu verdanken haben.

Gibt es noch Fragen? Nein.
Also dann, meine Damen, meine Herren,
danke für ihre Einsicht.
Gestatten sie mir noch eine Schlussbemerkung:
Es ist schönes Wetter draußen.
Genießen sie in Freiheit die Aussicht und Weitsicht,
die wir Politiker, und sicher auch Sie als Journalisten,
besonders nötig haben;
während die Aufsichtsbeamten,
das sei hier nochmals ausdrücklich hervorgehoben,
unablässig darum bemüht bleiben,
über uns und ihren Beamtenstand die Übersicht zu behalten.
Auf Wiedersehen!
Und in Zukunft in jeder Hinsicht: Vorsicht! Vorsicht!

Josef Butscher