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Heim-Spiel 1. Juli 2019

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Heut bleib ich in den Puschen stecken

und gehe nicht mehr raus!

Vermutlich droht an allen Ecken

Gefahr dort außer Haus.

 

Ich schließ die Türen, schließ die Fenster,

ess’ meine Nudelsupp’.

Doch bleiben dann die Schreckgespenster

bei sich in ihrem Club?

 

In meiner Zeitung, der von gestern,

stand Grässliches darin,

von Krieg, Gewalt und Gotteslästern.

Gut, dass ich friedlich bin!

 

Was las ich noch in meiner Zeitung

in großen Lettern rot?

Ein Unfall an der Oberleitung

und der Monteur war tot.

 

Und hier, man denkt doch so was nimmer:

Ein Gärtner, gut beschürzt,

der ist mit Kirschen und Gewimmer

vom eignen Baum gestürzt.

 

Das konnte mir ja nicht passieren

in meinem Heimspielglück. –

O Graus, die Angst will mich traktieren!

Fall ich vom Teppichstück?

Josef Butscher

Vergangenheit und Gegenwart 3. November 2013

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Steine-Krata-0999

Die Gottesleugner

von gestern

sprachen: Der, den ihr Gott nennt,

der hat uns hintergangen,

weil wir sterben müssen.

Womit haben wir das verdient?

 

Die Gottesbetrüger

von heute

sagen: Der Gott, den wir anrufen,

bringt Leben durch Revolution;

dafür kämpfen wir gerne.

Und die wir morden, haben’s verdient.

 

Der Atheismus schrumpft.

Der Gottesbetrug nimmt zu.

  

Josef Butscher

Zeitgeschehen 1. Juli 2012

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Die Aufbauten der Vernunft
wurden abgerissen.
Die Zufahrtsstraßen blockiert.
Die geplante Güte, schon Monate getragen,
fiel der Abtreibung zum Opfer.
Rätselhaftes, weil unberechenbar,
scheint verderblich;
Träume, weil überflüssig,
sind verboten;
Visionen gehören versunkenen
Epochen an.
Die Liturgie der Mächtigen
ist Gewalt.
Alle werden gemessen
am Gleichschritt.
Die Zukunft, irritiert,
zieht sich zurück in die
unveröffentlichten Geschichtsentwürfe
der Philosophen.

Josef Butscher

Noch immer 19. Februar 2009

Posted by josefbutscher in Gedicht mit Foto.
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2009-02-19-91.89

Noch immer werden dem Vierfürsten Herodes
mildernde Umstände zugestanden,
hatten ihm doch Salome und der Wein
die Sinne getrübt,
als er Johannes den Täufer köpfen ließ.
Mildernde Umstände?
Freiheit den Scharfrichtern?
Die in ungebremster Sinneslust
Köpfe rollen lassen,
finden immer Entlastungsgutachter.
Mehr noch: 
Wir behängen sie mit Orden,
errichten ihnen Denkmäler,
nennen eine Kaserne, Universität
oder Stadt nach ihren Namen,
gebieten den Druckern, dass sie
in den Geschichtsbüchern der Zukunft
für sinnestrunkene Herrscher
auf jeden Fall ein paar Seiten weiß lassen müssen.
Für Sinnestrunkene gibt es keine Opfer, nur Schurken.
Für Sinnestrunkene gibt es keine Opfer,
ausgenommen die, die sie selbst als Opfertiere
zur Schlachtbank führen für ihre heilige Sache
zum Wohle der Weltbevölkerung
und der Gerechtigkeit auf Erden.

Noch immer
wird der Mord an Johannes als Opfer gedeutet.
Noch immer
wird den Wehrlosen das Schreien verboten,
noch immer
wird der Tag der Vergeltung als Mythos abgetan.
Josef Butscher