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Noch immer 19. Februar 2009

Posted by josefbutscher in Gedicht mit Foto.
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2009-02-19-91.89

Noch immer werden dem Vierfürsten Herodes
mildernde Umstände zugestanden,
hatten ihm doch Salome und der Wein
die Sinne getrübt,
als er Johannes den Täufer köpfen ließ.
Mildernde Umstände?
Freiheit den Scharfrichtern?
Die in ungebremster Sinneslust
Köpfe rollen lassen,
finden immer Entlastungsgutachter.
Mehr noch: 
Wir behängen sie mit Orden,
errichten ihnen Denkmäler,
nennen eine Kaserne, Universität
oder Stadt nach ihren Namen,
gebieten den Druckern, dass sie
in den Geschichtsbüchern der Zukunft
für sinnestrunkene Herrscher
auf jeden Fall ein paar Seiten weiß lassen müssen.
Für Sinnestrunkene gibt es keine Opfer, nur Schurken.
Für Sinnestrunkene gibt es keine Opfer,
ausgenommen die, die sie selbst als Opfertiere
zur Schlachtbank führen für ihre heilige Sache
zum Wohle der Weltbevölkerung
und der Gerechtigkeit auf Erden.

Noch immer
wird der Mord an Johannes als Opfer gedeutet.
Noch immer
wird den Wehrlosen das Schreien verboten,
noch immer
wird der Tag der Vergeltung als Mythos abgetan.
Josef Butscher